Bäckerei Bosch schließt zum 30. April

Gemeinde Ringsheim kauft gesamtes Anwesen, hofft auf Nachfolgelösung und strebt neue Ortsbildgestaltung in diesem Bereich an

Lange schon ist es das Ortsgespräch und an Fasent auch schon Thema des Straßenumzugs gewesen. Die Bäckerei Bosch schließt nun definitiv ihre Tür zum 30. April 2023 und verkauft das gesamte Anwesen an die Gemeinde Ringsheim. Das haben jetzt Inhaber Eugen Bosch und Pirmin Bender von der GFA Immobilien GmbH in Ettenheim, der Herrn Bosch insbesondere beim Verkauf des Anwesens beraten hat, zusammen mit Bürgermeister Pascal Weber mitgeteilt.
 
„Als Eugen Bosch vor ca. sechs Monaten mit der Bitte auf uns zugekommen ist, ihn beim Schritt in den wohlverdienten Ruhestand zu begleiten war mir als Ringsheimer sofort klar und wichtig, dass die Bäckerei als sozialer Mittelpunkt und Grundversorgungsquelle erhalten werden muss“, so Pirmin Bender. „Gemeinsam haben wir einige Ideen für den Fortbestand entwickelt und wieder verworfen, viel überlegt und zahlreiche Gespräche geführt. Dass die Gemeinde das Anwesen nun mit dem Ziel erwirbt, einen neuen und attraktiven Ortsmittelpunkt zu schaffen entspricht genau unseren Vorstellungen und erleichtert Eugen Bosch und seinem Team den Abschied natürlich immens.“
 
„Die Resonanz aus der Ringsheimer Bürgerschaft und meiner zahlreichen Kunden aus den umliegenden Ortschaften bestätigt mir, dass ich Vieles richtig gemacht habe“, meint Eugen Bosch nicht ohne Stolz dazu, „aber irgendwann ist es an der Zeit, Abschied zu nehmen. Ich freue mich, dass mein Geschäft nun in die verantwortungsvollen Hände der Gemeinde geht.“
 
Bürgermeister Pascal Weber ergänzt: „Ein sehr trauriger und emotionaler Tag für uns in Ringsheim und auch für viele Kunden aus der Region. Eine absolute „Institution“ und einer der wichtigsten Ortstreffpunkte geht uns verloren. Ein Betrieb, mit dem nahezu jeder Ringsheimer eine persönliche Verbindung hat und der legendäre Handwerksqualität an Backwaren bietet. Ich sage nur „Bosche-Beck-Brezel“. Gleichzeitig danke ich Herrn Bosch, seiner Familie und den Mitarbeiter/-innen von ganzem Herzen für die jahrzehntelange Arbeit für Bürger, Vereine, Gemeinde und die vielen Kunden. Ebenfalls danke für die Bereitschaft, das Anwesen an die Gemeinde zu verkaufen. Auch wenn wir uns gewünscht hätten, dass Herr Bosch die Bäckerei mit seinem Team noch lange weiter betreiben hätte können.“
 
Gemeinderat und Bürgermeister haben sich jetzt einstimmig und relativ schnell entschlossen, das Anwesen der Bäckerei, zu dem auch ein benachbartes und leerstehendes Haus an der Hauptstraße gehört, zu kaufen. Möglich war dies durch großzügige Förderungen im Rahmen des Sanierungsprogramms „Ortsmitte Nord“ und den wieder anziehenden Tourismus, der bei Übernachtungs- und Gewerbesteuer aus diesem Bereich größere finanzielle Spielräume zulässt. Der Tourismus zeigt hier also seine positive Seite für Ringsheim.
 
Bürgermeister Pascal Weber zu den Plänen der Gemeinde: „Für uns macht die Investition aus vielerlei Facetten großen Sinn, wenngleich wir auch ganz bewusst ein Risiko eingehen und uns auf für uns als Gemeinde ungewohntes Parkett begeben. Hauptziel und Motivation war, dass wir durch den Kauf „Herr des Verfahrens“ sind, also entscheiden können, was sich am Standort mitten und prominent in unserer Ortsmitte entwickelt. Gleichzeitig hoffen wir und arbeiten dafür, dass wir im Ort eine Verkaufsstelle für Backwaren ansiedeln bzw. behalten können. Besser wäre natürlich eine Handwerksbäckerei oder Bäckereikette ggfs. auch eine Mischform. Hier sind wir aber auf Dritte angewiesen und wissen nicht, ob uns dies gelingt. Dennoch versuchen wir Alles um dies zu erreichen, natürlich besonders für unsere Bürgerschaft, aber auch den stetig weiter wachsenden Tourismus (z.B. Ferienwohnungen) im Ort. Ich hoffe, wir sind erfolgreich. Gerne können sich Interessenten für einen solchen Backwaren-Verkauf direkt und persönlich an mich wenden. Parallel werde ich auch auf potentielle Betreiber zugehen.“
 
Gleichzeitig hat der Kauf des Anwesens für die Gemeinde Ringsheim noch weitere Vorteile und Aspekte, so der der Bürgermeister weiter: „Im großen Kellergeschoss haben wir Möglichkeiten für eine öffentliche, eine Lager- oder eine Vereins-Nutzung. Die insgesamt vier Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss des Gebäudes helfen uns für die nächsten Jahre bei der Unterbringung von Flüchtlingen oder dem „Zur Verfügung stellen“ von kostengünstigem Wohnraum. Auch diese Themen nehmen ständig weiter zu. Hier sind wir durch die Flüchtlingspolitik von Bund und Land als Gemeinde, wie viele andere Kommunen auch, nah an unserer Kapazitätsgrenze.“
 
Aber auch das Außengelände und das benachbarte Grundstück „Hauptstraße 26“ waren für die Gemeinde wichtige Grundlage und Argumente für den Kauf. „Im ersten Schritt wollen wir möglichst rasch das leerstehende alte Haus „Hauptstraße 26“ mit seinen Nebenanlagen abreißen und einen neuen Parkplatz mit ca. 8-10 PKW-Stellplätzen sowie Fahrradabstellmöglichkeiten schaffen. Dieser Parkplatz hat dann auch wieder Vorteile für die angestrebte gewerbliche Nutzung nebenan als Backwarenverkauf. Im Anschluss wollen wir den bisherigen Parkplatz der Bäckerei Bosch im Bereich der Einmündung Hauptstraße/Ziegelstraße vollständig verändern. Nach unseren ersten Überlegungen könnte dort ein schöner Platz mit einer attraktiven Gestaltung, bestenfalls mit Außengastronomie entstehen“, informiert der Bürgermeister zu den Überlegungen von Verwaltung und Gemeinderat. „Ein hartes und mehrjähriges Großprojekt für uns als kleine Gemeinde. Mit Mut und Hoffnung, aber auch Respekt vor der Aufgabe, gehen es Gemeinderat und Verwaltung an. Einen Erfolg, insbesondere bei der Suche nach einer Lösung für den Backwarenverkauf, können wir aber unserer Bürgerschaft nicht versprechen. Wir wollen aber Alles tun, diese Infrastruktur im Ort zu halten bzw. in den Ort zu holen. Metzger und Bäcker sind wichtige Einrichtungen für uns.“
 
Schon ganz schnell soll es dabei losgehen. In der kommenden Sitzung des Gemeinderates am 28. März soll der Planungsauftrag „Parkplatz Hauptstraße 26“ an das Büro Misera aus Freiburg vergeben werden. Dort erwartet die Gemeinde 90% Zuschuss für den Gebäudeabriss und ca. 250,- Euro/qm Zuschuss für den Neubau des Parkplatzes. Eine stolze Summe und positive Auswirkung daraus, dass es Gemeinderat und Verwaltung mit guten Begründungen, cleveren Anträgen und Nachweisen der Umsetzungsfähigkeit gelungen ist, in das Sanierungsprogramm „Ortsmitte Nord“ des Landes Baden-Württemberg zu kommen.

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